nils.k hat geschrieben: Do 13. Aug 2026, 09:43
Danke @teneguía, das war sehr hilfreich.
Könntest Du uns die Aufstellung in diesem Artikel einordnen? Zum Beispiel ist mir nicht klar, wie das mit den Fahrzeugen funktioniert, die keinen 24-Stunden-Dienst haben.
https://elfarodelapalma.es/nuevo-transp ... -24-horas/
Leider habe ich keinen Einblick in den aktuellen Status der Rettungsmittel auf der Insel.
Um das ganze etwas verständlicher zu machen, würde ich ersteinmal etwas weiter ausholen und die Ausbildungsstände im spanischen Rettungdienst kurz erläutern (und bei Interesse auch das deutsche System ergänzen).
Der spanische Rettungsdienst ist viel stärker auf ärztliche Durchführung von Maßnahmen ausgerichtet. Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die präklinisch (also vor Aufnahme in ein Krankenhaus) noch vor Ort durchgeführt werden könn(t)en. Neben klassischen Erste-Hilfe-Maßnahmen und erweiterten Maßnahmen kommen bei Notwendigkeit auch sogenannte invasive Maßnahmen zum Zuge. Das sind Maßnahmen, bei denen die Schutzbarrieren (Haut, Schleimhaut) des Körpers durchdrungen werden oder Instrumente in Gewebe eingeführt werden. Beispiele hierfür sind: Venenpunktion, Gabe von Infusionen oder Medikamenten, Intubation (Einlegen eines Beatmungsschlauchs in die Luftröhre). Diese Maßnahmen sind erstmal grundsätzlich dem Arzt vorbehalten (Details dazu und Abweichungen/Ausnahmen gerne bei Interesse später, damit es hier nicht zu lang wird). Im spanischen Rettungsdienst ist dies noch viel restriktiver als bei uns in Deutschland. Wir haben zahlreiche Ausbildungsstufen, die im Rettungsdienst ihre spezifischen Kompetenzen und Wissensstände haben, in Spanien ist dies bei weitem nicht so ausgeprägt:
Es gibt den
Técnico en Emergencias Sanitarias (TES), der eine zweijährige Ausbildung durchläuft, aber "draußen" recht wenig Kompetenzen hat. Er darf Basismaßnahmen (nicht-invasive Maßnahmen) der Notfallversorgung durchführen und assisitiert Ärzten und Pflegepersonal.
Darüber steht der
Enfermero de Emergencias, eine examinierte Pflegekraft (4-jähriges Studium) mit notfallmedizinischer Weiterbildung bzw. Spezialisierung. Diese dürfen auch invasive Maßnahmen durchführen, die sonst dem Arzt vorbehalten sind.
Die höchste Ausbildungsstufe hat der
Médico de Emergencias, ein approbierter Arzt, der über eine entsprechende notfallmedizinische Spezialisierung bzw. Weiterbildung verfügt.
Die verschiedenen Rettungsmittel sind mit den unterschiedlichen Ausbildungsstufen besetzt:
- Ambulancia (Tipo A), Ambulancias de soporte vital básico und Ambulancias sanitarizadas sind in der Regel mit 2 TES besetzt.
- Auf den Ambulancias medicalizadas sitzen in der Regel 1 TES, 1 Enfermero de Emergencias und ein Médico de Emergencias
Nach langer Vorrede kann man das jetzt vielleicht etwas besser einorden: Es steht natürlich außer Frage, daß das Upgrade der Ambulancia sanitarizada auf eine Ambulancia medicalizada eine deutliche Verbesserung der präklinischen Notfallmedizinischen Versorgung darstellt, auch die Verlängerung der Dienstzeiten der Ambulancia de soport vital basico in Las Manchas ist eine große Verbesserung. Aber in Anbetracht der wenigen zugestandenen Kompetenzen bleibt das Netz weiterhin sehr dünn.