Müllverbrennungsanlage

Allgemeine Themen rund um die Kanareninsel La Palma
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NiederBayer
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Müllverbrennungsanlage

Beitrag von NiederBayer »

Wir sind heute quasi durch Zufall auf die Zufahrt zur stillgelegten (?) Müllverbrennungsanlage gestoßen.
IMG_20260202_151921.jpg
Der Wanderweg PR 17 führt direkt an diesem Tor vorbei. Die Zufahrtsstraße ( LP 2062 laut openandromaps) zweigt südlich von Villa de Mazo von der LP 206 ab, umrundet die montaña de las toscas und führt in einigen Kurven und Kehren hinauf zu dem auf dem Bild zu sehenden Tor.

Erst konnten wir uns gar nicht erklären, was es mit diesem recht martialisch aussehendem Tor auf sich haben sollte. Auf Google Maps konnte man schon erkennen, dass ich dort irgendwelche größeren Anlagen oder ähnliches befinden. In der Tourenbeschreibung im Rother zur Roque Niquiomo Runde las ich dann, dass es sich um eine frühere Müllverbrennungsanlage handelt.

Weiß "jemand" (Nils? :grin: ) darüber vielleicht Näheres?
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Birigoyo
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Birigoyo »

Glaube mich zu erinnern, dass der Jefe dort auch vor einigen Jahren schon einmal vorbeikam :heureka: .
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nils.k
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von nils.k »

Es gab auf La Palma mal drei Müllverbrennungsanlagen, in Mazo, Barlovento und in Mendo.
Diese Anlagen waren einfache Verbrennungsöfen, die enorme Mengen an Schadstoffen infolge unzureichender Erhitzung und Abgasbehandlung ausstießen. Mazo und Barlovento wurden daher nach Beschwerden aus der EU stillgelegt.

Die letzte verbliebene Anlage in Mendo, El Paso, war dadurch hoffnungslos überlastet. Dadurch entstand eine riesige Mülldeponie inmitten des Naturschutzgebietes Cumbre Vieja. 2006 wurde auch diese Anlage nach zehnjährigem Betrieb stillgelegt und 2011 versiegelt.

Seitdem steht eine Müllverbrennung auf La Palma nicht zur Debatte. Leider ist die Deponierung die billigste Variante. obwohl die Deponiekapazitäten fast ausgeschöpft sind und der Müll einen sehr hohen Anteil an Plastik und anderen Stoffen hat, die in der Natur nichts zu suchen haben.
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Enric
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Enric »

Das war mir so nicht bekannt. Wird der ganze Müll tatsächlich auf Deponien gelagert? Das ist ja nicht so zeitgemäß - "den Dreck, den buddeln wir weg, ganz tief, nachts bei Schmidts im Garten" hieß es in den 80ern.

Weiß jemand (Nils?), ob es Pläne für eine zukünftige thermische Verwertung gibt?

Nicht dass ich der Meinung wäre, dass thermische Verwertung der Weisheit letzter Schluss sei, aber bis zur Kreislaufwirtschaft werden wir wohl noch etwas warten müssen.
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von nils.k »

Auf den Kanaren gibt es derzeit keine einzige großtechnische Müllverbrennungsanlage. Was nicht sortiert und wiederverwendet wird, landet auf Mülldeponien, die von allen Varianten am wenigsten kosten.

Durch das vom spanischen Kongress verabschiedete Abfallgesetz sind die Kanaren verpflichtet, bis 2035 eine Recyclingquote von mindesten 65% zu erreichen, andernfalls drohen hohe Umweltstrafen der EU. Man setzt alles auf Kreislaufwirtschaft. Dazu gehört neben der getrennten Sammlung von Wertstoffen auch die flächendeckende Kompostierung von Bioabfällen.

Würde man die Müllverbrennung forcieren, bekäme man durch rückläufige Mengen zunehmend Probleme beim Betrieb der Anlagen. Je weniger Plastik und Papier in den Müllcontainern landen, desto geringer außerdem ist der Brennwert des Mülls, es müsste in größerem Maßstab zusätzlich Heizöl verbrannt werden. Und der dritte Aspekt: die Müllgebühren für die Bürger müssten drastisch steigen. Mit diesem Thema gewinnt man keine Wahlen.

In Deutschland haben die kleinsten MVA eine Kapazität von etwa 50.000 Tonnen im Jahr. La Palma liegt derzeit bei 35.000 Tonnen Müll pro Jahr, der Wert könnte in einigen Jahren auf unter 20.000 t/a sinken. Das reicht nicht aus, um eine moderne, umweltgerechte Anlage wirtschaftlich zu betreiben.
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Birigoyo »

Na klar, man muss irgendwo anfangen, aber dazu hatte man ja schon die letzten Dekaden Zeit,
nur ist wenig passiert. Irgendwie wird herumgestochert, aber nichts kommt so richtig in die Gänge.
Verschärft wird die Situation noch durch ein offensichtliches Problem bezüglich des Willens zur Umsetzung bestehender Konzepte seitens der Bevölkerung.

Müll verbuddeln wie im Mittelalter und Abwasser ins Meer pumpen, und das dann noch auf Insellage mit äußerst
begrenzten Ressourcen :thumbdown: .
Aber ständig werden Millionen in die weitere Förderung des Tourismus (mehr Touris, mehr Müll!) und der Infrastruktur gesteckt.
Das passt null zusammen. Hier bräuchte es doch mal ein ganzheitliches Konzept um das Modell „Kanaren“ zukunftsfähig zu machen:

1-2 moderne Müllverbrennungsanlagen auf TF und/oder GC.
Dort wird der gesamte Restmüll der Kanarischen Inseln einigermaßen sauber verbrannt, und mit der Abwärme
Energie gewonnen.

Jede Insel muss genügend Kläranlagen vorhalten, damit die Einleitung ungeklärter Abwässer in den Atlantik endlich
verboten werden kann.

Einführung eines umfassenden Pfandsystems und weitere Optimierung der Mülltrennung und Kreislaufwirtschaft.

Verbot von Plastiktüten, andere Länder machen es vor.

Speziell für LP: Konzept zur Ablösung oder Modernisierung des vorsintflutlichen Dieselkraftwerks in S/C de La Palma.

So, jetzt warte ich mal auf die Postings frei nach dem Motto: „Klingt ja alles ganz toll, aber ….“ :mrgreen:
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von El Jardinero »

Das klingt ja ganz toll, aber.....

Das ist auf LP nicht anders als woanders, nur anders.

Man muss mal irgendwo anfangen.
Komischerweise erwarten an den Stellen alle immer, dass es
- sofort 100%ig funktioniert
- nix kostet
- man hinten noch was rausbekommt.

Ist ja bei der Energiewende in D nicht anders.

Ich könnte :Kotzsmilie: wenn ich die ganzen Querluanten und Bedenkenträger höre.
Aber es ginge doch auch zukunftsorientierter.
Beispiele gibt es genug. Ich zumindest kann mich nicht erinnern an die Demos gegen Farbfernseher, Computer mit mehr als 640 KB und schnurlose Telefone.
Saludos desde el Sauerland
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Kurt »

Das Müllproblem gibt es schon lange. Die Gebühren sind auch schon gestiegen, weil die Gemeinden nun die reellen Kosten weitergeben müssen. Bislang hat man da querfinanziert, um den Unmut bei der Bezahlung gering zu halten. Auch hat von sich seitens der Inselregierung (die vorige) mitgeteilt, dass das immer teurer wird, wenn wir alles in die selbe Tonne kloppen und nix trennen, weil die Deponien überlaufen. Nur bringt das nichts, wenn die Leute den Zusammenhang nicht sehen.
Das einzige was wirklich nutzen könnte, währen multas, die sich gewaschen haben. Da müsste man aber eine Videoüberwachung an den Tonnen installieren. Bei Verkehrsdelikten hat das auch gezogen, wäre aber so unpopulär, dass das wohl kaum kommen wird. Die Strafen gibt es ja in der Theorie schon. Nur bei der Umsetzung hat man Hemmungen.
Ob ein Verbot von Plastikflaschen taugt, weil wir das die Getränke ja importieren und Gewicht beim Transport dann auf die CO2-Bilanz mit drauf kommt, da bin ich mir nicht so sicher.
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Radsportler85 »

Das einzige was wirklich nutzen könnte, währen multas, die sich gewaschen haben. Da müsste man aber eine Videoüberwachung an den Tonnen installieren. Bei Verkehrsdelikten hat das auch gezogen, wäre aber so unpopulär, dass das wohl kaum kommen wird. Die Strafen gibt es ja in der Theorie schon

Beginnt doch jetzt:
https://eltime.es/isla-bonita/178-munic ... gales.html
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von nils.k »

Man kann die "Fehleinwürfe" auch ohne Videoüberwachung und multas reduzieren. Es gibt Mülltonnen, bei denen der Müll am Einwurfschacht gescannt wird und Verpackungen oder Kartons nicht eingeworfen werden können.

Viel wichtiger finde ich aber die Aufklärung. Da ist Deutschland tatsächlich weit vorn. Inzwischen weiß jedes Kind, wie Mülltrennung funktioniert. Sich daran zu halten ist gesellschaftlich als normales Verhalten anerkannt.

Individuelle Verantwortung funktioniert beim jetzigen System der gemeinschaftlich genutzten Müllcontainer nicht. Hätte man seine eigene Mülltonne und Müllgebühren, die sich nach der tatsächlichen Müllmenge berechnen, wäre vieles einfacher.
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Radsportler85 »

Ehrlich gesagt: Es wird den Leuten aber auch zu einfach gemacht auf der Insel. Weinachten 2024 und Ostern 2025 hatten wir in direkter Nähe unserer Unterkünfte 3 große Mülltonnen für Restmüll. Die Sammelstellen für Papier, Glas etc. waren so weit entfernt, dass wir es dort nur entsorgen konnten, wenn wir mit dem Auto unterwegs waren. In Los Quemados gibt es sicher 20 große Müllbehälter an den Straßen, aber nur eine Sammelstelle. Diese befindet sich auch noch leicht außerhalb und an der Straße nach Las Indias. Der Großteil fährt aber nicht dran vorbei, weil sie nach Fuencaliente möchten. Dann muss man aber entweder bis Las Indias oder auf der Straße wenden.
Hätten wir das so in Deutschland, würde auch nur ein ganz geringer Teil den Müll trennen. Das sieht man ja in den aktuellen Berichten, wo die ersten Daten von den Müllfahrzeugen mit Kamera zur Auswertung vorliegen. Die größten Probleme gibt es mit den großen Wohnblöcken, wo man den Müll nicht den Bewohnern zuordnen kann und es die großen Behälter gibt.
Lösungen würden mir auch einfallen, aber dann wird das hier ein kleiner Roman 😂
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Penelope
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Penelope »

nils.k hat geschrieben: Di 3. Feb 2026, 12:49 Viel wichtiger finde ich aber die Aufklärung. Da ist Deutschland tatsächlich weit vorn. Inzwischen weiß jedes Kind, wie Mülltrennung funktioniert. Sich daran zu halten ist gesellschaftlich als normales Verhalten anerkannt.
Stimmt, gilt auch für die meisten anderen nord- und mitteleuropäischen Länder und z.B. die Nordhälfte der spanischen Península, und das ist nicht selbstverständlich. Noch vor ca. 40 Jahren wurden wir vom Bürgermeister unseres damaligen Heimatortes in Österreich als geistesgestört beschimpft, als wir meinten, man würde bald nicht mehr einfach alles zusammen wegschmeißen dürfen.

Trotzdem hätten wir ohne EU-Druck vermutlich heute noch kein funktionierendes Pfandsystem für Plastikflaschen und Dosen in Ö. Die Einführung vor nicht allzulanger Zeit beschwor Weltuntergangsszenarien herauf. Gegangen ist es dann doch. Die, welche (so wie wir) praktisch nur Glasflaschen kaufen, haben schon seit Jahren gar kein Problem damit.
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben." - Hans Christian Andersen
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Enric
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von Enric »

Noch vor ca. 40 Jahren wurden wir vom Bürgermeister unseres damaligen Heimatortes in Österreich als geistesgestört beschimpft, als wir meinten, man würde bald nicht mehr einfach alles zusammen wegschmeißen dürfen.
Das ist halt der deutsche (und vielleicht auch österreichische?) Dreisatz: "Da könnte ja jeder kommen - das haben wir schon immer so gemacht - wo kämen wir denn da hin?"
Jedes mal, wenn sich etwas ändert, wird lamentiert, gezaudert und gezögert. Das war aber schon immer so, z. B. beim "Gurtzwang", bei der Einführung des bleifreien Benzins oder der Abschaffung der Glühbirne. Die Welt hat sich dann aber doch immer weiter gedreht.
Leider ist dank der sozialen(?) Medien mittlerweile der Resonanzboden für das Lamento größer geworden und jeder kann lautstark sein "Das geht ja gar nicht, mit mir nicht!" in die Welt tröten, meist ohne gänzlich verstanden zu haben, worum es überhaupt geht.
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Re: Müllverbrennungsanlage

Beitrag von El Jardinero »

Mein Standardspruch dazu mittlerweile ist:

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