Inkassobüro ist ja harmlos, muss man nur immer fristgerecht Widersprüche einlegen usw.
Vor allem steht auf der Mahnung ja auch nicht wofür und kein Verwendungszweck oder ich bin blind.







Zum siebzigjährigen Bestehen steht wieder eine Veränderung an. Nach F.A.Z.-Informationen aus Branchenkreisen steht der Finanzinvestor Attestor, der derzeit 51 Prozent kontrolliert, davor, Condor ganz zu übernehmen. 49 Prozent würden von der Zweckgesellschaft SG Luftfahrt, die seit einer Rettung mit Staatshilfen den Anteil treuhänderisch verwaltet, zu Attestor gelangen. Die Option besteht bis zum 30. September, die Transaktion könnte nach F.A.Z.-Informationen schon vorher erfolgen.
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Für die Zukunft wünscht Attestor einen strategischen Investor, einen Flugkonzern. Die Idee: In der Branche kommt eine Konzentration auf wenige große Airlines voran. Condor könnte trotz wachsender Flotte und des Ziels, in diesem Jahr erstmals zehn Millionen Passagiere zu erreichen, irgendwann zu klein sein. Der Lufthansa-Konzern erreicht samt aller Tochtergesellschaften die dreizehnfache Passagierzahl. Doch noch ist der neue Condor-Partner nicht gefunden, mit Blick auf die Staatshilfen aber rückt ein Stichtag näher.
Condor hatte im Zuge des doppelten Schlags durch das Aus von Thomas Cook und die Corona-Krise 550 Millionen Euro erhalten, in Form von Krediten der staatlichen KfW-Bank. Der Staat half, weil Condor über zwölf Jahre nur einmal einen größeren Verlust eingeflogen hatte, kumuliert aber einen Gewinn von 529,9 Millionen Euro, im Durchschnitt 44 Millionen Euro je Jahr. Zum Staatseinstieg kam es nicht. Die von einer Frankfurter Anwaltskanzlei geführte SG Luftfahrt wurde als treuhänderischer Anteilseigner eingesetzt, solange Tilgungen ausstehen.
Ein Teil wurde erlassen. Im Wesentlichen blieben zwei Kredittranchen über 175 Millionen und über 205 Millionen Euro. Die erste Tranche hat Condor im Frühjahr getilgt, für die zweite ist der 30. September Stichtag. Fällig wird der Darlehensbetrag plus/minus ein noch unbekannter Betrag, weil der Staat im Gegenzug zum früheren Teilerlass an möglichen finanziellen Erfolgen teilhaben wollte.
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Im Geschäftsjahr bis zum 30. September 2025 flog die Gesellschaft nach eigenen Angaben 110 Millionen Euro Verlust ein. Darin enthalten sind auch Zinsen an Attestor, unter anderem im Zusammenhang mit der Finanzierung von Flugzeugen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Restrukturierungskosten, das für die Bewertung relevant sein soll, hatte Condor hingegen auf 390 Millionen Euro beziffert. Zur Frage, was das für die ausstehende Zahlung bedeutet, schweigen alle Beteiligten.







Immer mehr Bestandteile einer Flugreise erhält man nur gegen Aufpreis. Zu Ende ist der Trend noch lange nicht. Da geht noch mehr – zum Beispiel mit dem Bord-WC.
Der Flug in die Ferien ist einer von denen, bei denen zwischendurch eine Kleinigkeit serviert wird. Wenn man für sie extra zahlt. „Onboard Delights“ nennt die Fluggesellschaft das, was von den Stewardessen gegen Kartenzahlung aus dem Wägelchen geholt wird.
Das versprochene Entzücken löst das Angebot beim Fluggast durchaus aus. Das „Oktoberfest Special“ mit einem Bier und einer Laugenbrezel, das schon im September zu haben ist, kostet nur einige Euro, es gibt Sekt, Champagner, einen Aperitif, Chips und Knabberkram. Am Himmel geht es in besserer Stimmung dem Ferienziel entgegen als zehn Kilometer weiter unten auf den Schienen der Deutschen Bahn.
Sie ist also durchaus da, die Freude am kleinen Vergnügen auf dem Weg in den Urlaub. Aber da ist auch die dunkle Seite des Passagierflugs: das Misstrauen des leidgeprüften Konsumenten, der hinter dem einen Trick, mit dem ihm Geld genommen wird, schon den nächsten vermutet.
Denn über den Wolken ist die Freiheit, anders als von Reinhard Mey in seinem Chanson besungen, keineswegs grenzenlos. Sondern exakt durch die Notwendigkeit bestimmt, mit dem Passagier, hat man ihn denn erst einmal zu fassen, Geld zu verdienen.
Der Flug vergeht deswegen mit Gedankenspielen dazu, was unten im Terminal oder oben im Airbus als Nächstes hinter die Bezahlschranke kommt. Für Gepäck und Sitzplätze gibt es beim Buchen ja schon allerlei Tricks mit Grundpreis und Aufschlag.
Wohin wird die Monetarisierung des Reisenden noch führen? Als Erstes wird die kleine Mineralwasserflasche gestrichen, die zu Beginn des Fluges kostenlos verteilt wird, dann die Schokoladentafel gegen Ende der Reise. Aber irgendwann wird auch das nicht mehr reichen. Was kommt dann? Ganz klar: die Bordtoilette.
Irgendwann, sagt der Passagier sich zynisch, wird es so weit sein. Dann kommt nach der automatisierten Ansage zu den Turbulenzen, die während des Fluges jederzeit auftreten können, eine zweite, in der es heißt: „Gegen ein geringes Entgelt steht Ihnen im hinteren Flugzeugteil unser WC zur Verfügung.“ Dem Hinweis darauf, dass der Eintritt nur gegen Karte möglich ist, folgt die Durchsage: „Das Bordpersonal ist Ihnen beim Einchecken gerne behilflich.“
Mit der Folge, dass an Bord einiges, das sich zunächst nichtig und klein ausnimmt, plötzlich groß und wichtig wird. Und die Passagiere, die sich nicht wie bei der Autofahrt in die Ferien am Rande der Straße in die Büsche schlagen können, zahlen und zahlen. Zum Entzücken der Airlines.

