Einer meiner Arbeitskollegen erzählte mir grade, daß sein heiß ersehnter La Palma-Urlaub im Januar letzte Woche von seinem Paraglide-Lehrer storniert wurde, weil man in zahlreichen Gebäuden massiv erhöhte Radonwerde gefunden hätte.
Weil er schon seit dem Vulkanausbruch auf die Möglichkeit gewartet hat, wieder nach Puerto Naos zu fahren, ist er natürlich enttäuscht und hat mich gebeten, dahingehend etwas zu recherchieren. Bisher habe ich aber nur einige Artikel im El Diario, bei Simon Märkle, und im El Time, die aber alle eher allgemein gehalten sind oder wenig alarmierend klingen. Die einzigen erwähnten erhöhnten Werte in Gebäuden wurden wohl auch nur in Tajuya gemessen.
Hat einer von den Residentes vielleicht noch was anderes gehört? Oder gibt es da noch andere aktuellere Berichte/Messwerte?
Danke für den Link, es scheint ja wirklich nur diese paar Infos dazu zu geben. Hab es mal dem Kollegen weitergeleitet, aber er meinte, daß sein Lehrer sich da wohl nicht mehr umstimmen lässt.
Die organisieren das privat, der Fluglehrer lebt hier im Rheinland. Bis zum Vulkanausbruch waren die wohl jedes Jahr im Januar für 1-2 Wochen in Puerto Naos.
weil mich die Frage gleich in zweierlei Hinsicht betrifft, antworte ich gerne. Erstens bin ich lokaler Fluglehrer und wer auf La Palma in den letzten 20 Jahren Gleitschirmurlaub gemacht hat, der kennt mich. Zweitens habe ich über das Thema Radon nicht nur recherchiert, sondern auch mit Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Wehr ein Publikation mit dem Titel "Radon and CO₂ content in Puerto Naos after the volcanic eruption on the island of La Palma -recalculation with artificial intelligence" verfaßt, die im letzten Jahr an einem Kongress in Vigo vorgestellt wurde.
Leider kenne ich weder die Flugschule die genannt wird, noch wurde ich in den letzten Monaten zum Thema kontaktiert. Ich kann deshalb nicht beurteilen, warum dieser Fluglehrer diese Aussage macht, die notabene keine wissenschaftliche Grundlage hat, sie schadet aber dem zart aufkeimenden Tourismus in Puerto Naos und muss deshalb konsequent widerlegt werden!
In Puerto Naos konnten wir nachweisen, dass die Radonwerte sehr gleichmäßig mit dem CO2 korreliert. Man konnte aufgrund der CO2 Messung also ganz gut einen Radonwert voraussagen. Weil jedes bewohnte Apartment in Puerto Naos über ein CO2 Messgerät verfügt und das 24/7 überwacht wird, kann eine Exposition mit erhöhten Radonwerten in Puerto Naos ausgeschlossen werden. Da muss man nicht einmal mit erhöhter Lage des Apartments etc. argumentieren. Einfach NEIN, es gibt in Puerto Naos keine Gefahr einer Radonexposition die gesundheitschädlich wäre.
Weitere erhöhten Radonwerte wurden auch in Tajuya und Tacande gefunden. Dort gibt es keine CO2 Problematik und die CO2 Werte sind so tief, dass die Korrelation wie in Puerto Naos nicht funktioniert. Deshalb hat die Inselregierung vor etwa 4 Wochen beim Nationalen Institut für nukleare Sicherheit angefragt, weitere Studien zu unterstützen.
Für Urlauber sind die Werte nie ein Problem. Der Grenzwert ist 300 Bq/m3 und als Mittelwert über das Jahr gerechnet. Auch wenn sie in einem Haus auf dem Lande gelegentlich höheren Werten ausgesetzt wären, reichen die hier gemessenen Grenzwertüberschreitungen bei weitem nicht aus, um den Jahresgrenzwert auf diese Höhe zu heben. Sie müßten sich dazu wahrscheinlich während 12 Stunden pro Tag ein ganzes Jahr in einem Keller in Tajuya aufhalten.
Zusammenfassend: Radon ist in Puerto Naos kein Problem. Im Bereich El Paso müssen weitere Studien folgen, die der hier immer ansässigen Bevölkerung wo nötig Richtlinien für das Verhalten oder das Sanieren von Gebäuden aufzeigen. Mit dem jetzigen Kenntnisstand kann davon ausgegangen werden, dass für La Palma Urlauber nicht die geringste Gefahr durch Radon ausgeht.
Roger Frey greift diese Diskussion jetzt zusätzlich auch öffentlich auf seinem Idafe-Blog (sowie Facebook) auf:
"In einem Forum für La Palma wird diskutiert, dass ein Gleitschirmfluglehrer seine geplante Flugreise nach La Palma mit der Begründung von hohen Radonwerten absagte. Ich weiss weder um welche Flugschule es sich handelt, noch wie dieser Fluglehrer dazu kommt, Radon als Grund für eine Absage zu nennen. Entweder hatte er etwas gehört und im Tagesstress keine weiteren Abklärungen unternommen, sondern einfach mal abgesagt, oder er hatte keine Lust und dann Radon vorgeschoben. Beides wäre völlig unethisch, denn dieser Aussage fehlt jegliche wissenschaftliche Grundlage und sie schadet einer Region die mit genügend anderen Problemen zu kämpfen hat. ..."
Beruflich bedingt ist mir die Gefährlichkeit von Radon durchaus bekannt, ebenso die Möglichkeiten das Expositionsrisiko zu verringern. Im Gegensatz zu den Menschen vor Ort fehlt mir allerdings der genaue Einblick in die Situation vor Ort. Ich kann Roger Frey in dem Punkt zustimmen, daß durch Lüften die Konzentration von Radon in geschlossenen Räumen effektiv gesenkt werden kann.
Der Rest seines Posts, in dem er seinen eigenen Blogeintrag zu zitieren scheint bedarf jedoch einiger Klarstellungen, denn sie hinterlassen einen sehr schalen Beigeschmack:
1) Er behauptet öffentlich in seinem Blog, daß es sich um eine Flugschule handelt, ohne zu wissen wie die wirklichen Organisationsform des Aufenthaltes ist. Es handelt sich nämlich in keinster Weise um einen Kurs einer Flugschule, sondern um eine rein privat organisierte Reise. Alle Teilnehmer sind Gleitschirmflieger mit entsprechenden Lizenzen und Scheinen. Eine Flugschule taucht -entgegen seiner Behauptung- in der ganzen Anfrage garnicht auf. Der Gleitschirmflieger-Lehrer übernimmt als erfahrenster Mitreisender lediglich die Organisation der Reise.
2) Es handelt sich um eine rein privat durchgeführte Reise einer Gruppe mit einer einstelligen Zahl an Fliegern, die teilweise noch ihren Partner/Partnerin mitbringen. Der Organisator hat intern in dieser Gruppe mitgeteilt, daß er auf Grund des Radons die Reise und die Organisation durch ihn storniert und nicht nach La Palma fliegen will. Dies geschah weder öffentlich, noch wäre diese Reise jemals über irgendein Buchungsportal, Reisebüro oder anderes Medium öffentlich zugänglich oder buchbar gewesen.
Vor diesem Hintergrund halte ich die Formulierung, die Stornierung der Reise sei unethisch mindestens für theatralisch bis vollständig übertrieben. Der Finanzielle Verlust für die Insel/Puerto Naos wird sich in Grenzen halten und auf Grund des schon beschriebenen nicht-öffentlichen Charakters der Reise und ihrer Organisation braucht Roger Frey nicht in einem Panikmodus die Grundlagen der wirtschaftlichen Existenz von Puerto Naos, dem Paraglide-Tourismus oder der ganzen Insel befürchten. Die Ethik als Teilgebiet der Philosophie beschäftigt sich mit den Grundsätzen menschlichen Handelns und der Einteilung desselben in Grundsätzen wie Gut und Böse. Die Absage eine Reise als unethisch zu bezeichnen halte ich für doch sehr hoch gegriffen.
3) Unmöglich finde ich aber, daß er ohne die betroffenen Menschen, deren Pläne oder Absichten zu kennen einfach die Behauptung aufstellt, der Fluglehrer habe womöglich einfach garkeine Lust und würde die Reise nur mit dem vorgeschobenen Argument der Radonproblematik stornieren, Das sind unbelegte und unrichtige Behauptungen.
Roger Frey sollte seine Posts vielleicht einmal überdenken und sich in Sachen Behauptungen etwas mäßigen.
Da ich mich nur für meinen Arbeitskollegen nach der aktuellen Situation vor Ort erkundigen wollte bzw. ihm ein paar aktuellere Informationen organsieren wollte, würde ich das Thema einfach schließen. Subjektiv eingefärbte und unterstellende Äußerungen, die neben dem privaten Forum dann einfach in anderen (öffentlichen ) Blogs auftauchen, wollte ich damit nicht auslösen.