Wir leben auf Lanzarote in einer Gegend, die einst als Opuntien-Epizentrum galt: Hier war die Cochenille (Dactylopius coccus) zwecks Gewinnung des roten Farbstoffs E120 (echtes Karmin) Lebensgrundlage vieler Familien. Nun gut; der letzte Cochenille-Bauer war unser Nachbar Perico, der bereits vor vielen Jahren gestorben ist. Er war also so etwas wie der letzte Mohikaner seiner Zunft. Die Felder der einstigen Haupterwerbsbauern sehen mittlerweile mehr als traurig aus, weil die mexikanische Schildlaus (Dactylopius opuntiae)den Opuntien sämtliche Lebensenergie entzogen hat. Ist wirtschaftlich nicht tragisch, denn dieses "Business" ist eh ausgestorben. Zudem wurden die Opuntien gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zwecks Cochenilla-Zucht aus Zentralamerika und Mexiko "eingeschleppt" , sind also keine autochthonen Pflanzen, die es zu betrauern gilt. Es gab bis vor einigen Jahren noch ein paar Hobby-Züchter; und sieheda, deren Opuntienfelder bestehen teilweise – zumindest punktuell - noch immer. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen Bewirtschaftung und Befall; aber das ist nur eine Vermutung.
Wie steht es auf auf La Palma aktuell um die Opuntien?
Auf La Palma gibt es nur noch wenige Ecken wo die Opuntien noch nicht von der Mexikanischen Schildlaus dahingerafft wurden, hauptsächlich im Norden. Ich würde es Schade finden, wenn die Opuntien gänzlich verschwinden würden. Das Rabo del Gato empfinde ich als drastisch gefährlicher.
Nur noch selten sieht man gesund aussehende Opuntien. Die meisten wirken wie ausgesaugt und komplett verdorrt.
Trauriger Anblick. Ich hatte vor Jahren mal ein großes Exemplar im Garten, nach einem ausgiebigen Regen war es eine Freude zu sehen, wie die Pflanze richtig prall wurde und dann auch recht schnell neue "Ohren" bildete.
Was sagt man eigentlich botanisch dazu, "Blätter" sind es ja nicht.
Die Natur stellt keine Fragen und beantwortet auch keine. Sie hat längst ihren Entschluss gefasst.
Henry David Thoreau (1817-1862)
Im Nordosten gibt es vereinzelt noch gesunde Opuntien, die ohne Hilfe des Menschen gedeihen.
Bei uns im Nordwesten ist das wie im Rest der Insel schon Geschichte. Da muss man die Läuse aktiv bekämpfen, sonst geht die Pflanze ein.
Wir haben Opuntien als Solitäre im Garten gehabt und haben alles versucht, um sie zu retten. Sind komplett eingegangen bis auf eine, die noch als Stumpf vor sich hindümpelt, weil wir alle Ohren - bzw. Platykladien - entsorgt haben. Die mexikanische Schildlaus hat auch sie im Griff, obwohl wir ein Mittel verwendet haben, das nur an jene verkauft wird, die eine entsprechende Schulung absolviert haben, und sodann einen Sachkundenachweis für Pflanzenschutzmittel vorweisen können (carné de usuario profesional de productos fitosanitarios).
Der Regen dürfte den Opuntien vielleicht "wieder auf die Beine helfen"
und die Läuse mögen nach meiner Erfahrung eigentlich kein Wasser ...
"Glaube wenig - prüfe und hinterfrage alles - denke selbst"
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"Nur wenn man gegen den Strom schwimmt, gelangt man zur Quelle!"
Wer erinnert sich noch an diesen gigantischen Feigenkaktus auf dem Weg vom Camping in der Caldera raus zum Barranco? Der Weg führte mittendurch.
Seit sechs, sieben Jahren ist er weg, entweder den Läusetod gestorben oder von der Icona als Neophyt entfernt.
Muss mal nach Fotos kramen...
Menschen sind einfach sonderbar, auch ich. (Elisabeth Scott, SZ 28.7.2023)